Schwestern und Brüder vom heiligen Benedikt Labre e.V.

Schwestern und Brüder vom heiligen Benedikt Labre e.V.

Lebenslauf von Benedikt Labre
Wir über uns
Der Flohmarkt
Presse
Kontakt
 

Spendenkonto:
Sparda Bank München
IBAN: DE83700905000000888524
BIC: GENODEF1S04
 
Bitte Adresse im Verwendungszweck
nicht vergessen wegen der
Spendenquittung!



Presse
 
Christ in der Gegenwart vom 21.10.2001 | Ein Haus, nicht die Straße
Münchner Merkur vom 14.4.2003 | Obdachlose träumen von einem neuen Zuhause
Süddeutsche Zeitung, Landkreis Süd vom 7.4.2003 | Bausteine für ein Obdachl
Charismen vom Februar 2010 | Leben mit Obdachlosen
 


Christ in der Gegenwart, 21.10.2001, von Michael Schrom
 
Ein Haus, nicht die Straße
 
Benedikt Labre in München
 
Das HausEingezwängt zwischen dem BMW-Werk und zwei großen Ausfallstrassen liegt Münchener Norden ein unscheinbares Wohngebiet. Umgeben von kleinen Einfamilienhäusern, mit Gartenzwergen und Bierbänken im Vordergarten, findet man das Benedikt-Labre-Haus. Niemand würde vermuten, das dieses kleine Haus 22 Obdachlose beherbergt die dort eine Wohnung, eine Gemeinschaft, mehr noch: eine Heimat gefunden haben. Und dass es sich um eine christliche Gemeinschaft handelt, wird auch nicht auf den ersten Blick deutlich. Wer kennt heute noch den heiligen Benedikt Labre (1748-1783), jenen nach menschlichem Ermessen aus der Bahn geratenen frommen jungen Mann, der nach mehreren Versuchen, Priester oder Mönch zu werden, heimatlos durch Europa zog und schließlich als Bettler elend und krank in den Gassen Rom´s starb. Von der damaligen Bevölkerung wurde er jedoch wegen seiner tiefen, einfältigen Frömmigkeit und Visionen als Heiliger verehrt.
 
Ein bisschen erinnert auch der Gründer des Benedikt-Labre-Hauses und der dort ansässigen Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern, Walter Lorenz, an den Namenspatron der Einrichtung. Welten trennen ihn von einem Funktionär oder einem Manager. "Betteln macht mir nichts aus, und Ansprüche, was Kleidung oder Essen betrifft, habe ich nicht", sagt der heute Sechzigjährige und fährt sich durch sein beeindruckenden Rauschebart. Wer mit ihm spricht, ahnt schnell etwas von der Radikalität , welche die "Brüder und Schwestern vom heiligen Benedikt Labre" eint. Sie sind kein Orden oder Verwalter eines kirchlichen Hilfswerkes, sondern eine Gemeinschaft von Christen, die sich zu einem extremen Leben entschlossen haben. Zusammen mit Obdachlosen, zum Teil schwerkranken Alkoholiker wollen sie eine Wohngemeinschaft, ja eine Familie bilden, mit allem was dazugehört: gemeinsame Mahlzeiten, gemeinsames Wohnen, gemeinsames Arbeiten, gemeinsame Unternehmungen. Freilich auch mit allen gemeinsamen Konflikten.
 

Ein Lokführer begegnet Franziskus
 
Das Haus ist bescheiden, bürgerlich-liebevoll eingerichtet. Die Räume sind tiptop geputzt, trotzdem riecht es ein bisschen streng. Jeden Morgen nachdem sich die Gemeinschaft zum Gebet oder - dreimal wöchentlich - zur Eucharistiefeier in der kleinen Kapelle (der einzige Raum, der mit Teppich ausgelegt ist) versammelt hat, wird die Arbeit verteilt: Putzen, Wäsche waschen, kleine Besorgungen, Bürodienste, handwerkliche Tätigkeiten, je nach Fähigkeiten und Zustand der Bewohner. Wenn ein Auftrag nicht ausgeführt wird, muss die "Grundgemeinschaft", also die Schwestern , einspringen. Langfristig planen lässt sich nichts.
Begonnen hat die Geschichte des Benedikt-Labre-Hauses 1985 mit einer Begegnung, die , wenn man davon das erstemal hört, sofort an die Lebensgeschichte des heiligen Franziskus erinnert. In der Adventszeit begegnete Walter Lorenz in der Fußgängerzone zwei bettelnder Obdachlosen. Er teilte mit ihnen zuerst seinen Kuchen, den er vom Besuch seiner Schwester mitgebracht hatte, dann seine Wohnung. Diese Begegnung war der Beginn seiner "Berufung", die dazu geführt hat, dass der herzkranke, frühpensionierte Lokführer sein bis dahin bürgerliches Leben völlig veränderte.
 

Der Bauwagen vor den Toren der Stadt
 
Die Begegnung hat ihn nicht mehr losgelassen. Als er die Obdachlosen nicht mehr in seiner Wohnung aufnehmen durfte, baute er einen alten Lastwagen notdürftig zu einer beheizbaren Übernachtungsstätte um. As ihm das städtische Ordnungsamt ihm das untersagte, erbat er von der Kirche ein Haus, um dort mit "seinen Brüder von der Strasse" leben zu können. Ein Jahr lang musste er die Ernsthaftigkeit und die Ausdauer seines Planes unter Beweis stellen, dann erhielt er das Haus in der Pommernstrasse. Es war das erste von mittlerweile drei Häusern. Er fand Mitstreiterinnen (insgesamt neun Schwestern, die zum Teil einer Ordensgemeinschaft angehören) aber keine dauerhaften männlichen Mitarbeiter. "Frauen sind leidensfähiger als Männer" - so erklärte sich Lorenz das Ungleichgewicht in der Kommunität. Sicher ist, dass die Mütterlichkeit und Führsorglichkeit, natürlich auch die Anziehungskraft des Fraulichen das Klima im Hause entscheidend prägt. Elisabeth, die schon fünfzehn Jahre in der Pommerstrasse wohnt, sieht darin eine besonderes Charisma der Frauen im Umgang mit den alkoholkranken Männern. "Oft gelingt es uns Frauen besser, die Männer bei der Ehre zu packen, sie dazu zu bewegen, dass sie wenn sie betrunken sind auf ihr Zimmer gehen." Und wenn einer ausfällig wird oder brutal? Elisabeth zuckt mit den Schultern.
Jeder kann gehen, wann immer er will. Das Benedikt-Labre-Haus ist kein "trockenes Haus". Zu den Mahlzeiten und abends wird Bier verkauft. Man hofft, dass ein geregelter Konsum in der Gemeinschaft zur Stabilisierung, zum Sesshaftwerden beiträgt. Und wenn Paul, der über vierzig Jahre seines Lebens auf der Strasse verbracht hat, im Rausch wieder einmal schreit, fährt ihn Lorenz nach Ludwigsfeld, vor die Tore der Stadt, wo sie ihm auf einen aufgelassenen Gestüt einem ausrangierten Bauwagen eingerichtet haben. Und am nächsten Morgen holt er ihn wieder ab.
Auf dem Gelände in Ludwigsfeld halten die Brüder und Schwestern vom Benedikt Labre samstags einen Flohmarkt ab, neben Spenden die Haupteinnahme der Gemeinschaft. Alle Möbel, hauptsächlich aus Klosterbeständen oder Wohnungsauflösungen, werden in der kleinen Werkstatt aufgebeizt, ausgebessert und verkauft. Bei allen Klöstern in Bayern ist Lorenz schon vorstellig und meist auch schon fündig geworden. Großmolkereien, Bäckereien und Metzgereien in München und Umgebung unterstützen das Projekt. Sie wissen: nichts wird weggeworfen. Was übrigbleibt, wird in der nächsten Teefahrt an Obdachlose in der Stadt verteilt.
Der Fuhrpark der Gemeinschaft umfasst mittlerweile sieben Autos und Kleinbusse, ein Arzt übernimmt unentgeltlich die medizinische Betreuung, eine Rechtsanwältin steht der Gemeinschaft zur Seite, wenn es juristische Probleme gibt. Die Klagen aus der Nachbarschaft sind mit den Jahren verstummt. Die täglichen Schwierigkeiten bereiten Lorenz jedoch weit weniger Sorge als die Frage, wer das Werk einmal weiterführen wird. Denn obwohl sich die Gemeinschaft bemüht, jedem einzelnen auch einen Ausgleich zu bieten, also freie Tage, Opernbesuche, Kurzreisen.....- ist das Leben in der Pommernstrasse doch sehr anstrengend, nervenaufreibend und äußerst entbehrungsreich.